Esther Kalunge

Strategische Weitsicht: Wenn die richtige Besetzung den Break-Even rettet
Mut zur Divergenz bei komplexen IT-Onboardings: Wie Team-Formation und Komplexität zusammenhängen.
Manchmal liegt die größte Hürde eines Projekts nicht im Plan, sondern in der Dynamik der Umsetzung. Bei einem komplexen Kunden-Onboarding mit fünf unterschiedlichen Schnittstellen hatte ich die technische Infrastruktur und die Prozesse entworfen. Doch bei der Übergabe an das Projektteam wurde mir schnell klar: Die Komplexität überforderte das ausgewählte Team.
In diesem Umfeld gab es kein „Schema F“. Es ging darum, jeden Tag aufs Neue die richtige Lösung für den Kunden zu finden – was heute galt, konnte morgen schon wieder überholt sein. Ich bemerkte, dass das Team versuchte, mit Standard-Antworten auf eine Situation zu reagieren, die radikale Flexibilität und tiefes Systemverständnis erforderte. Ich wusste: Wir brauchen hier jemanden, der nicht nur abarbeitet, sondern die richtigen Fragen stellt.
Es dauerte Wochen, in denen ich immer wieder das Gespräch mit meinem Chef suchte. Ich forderte eine Umbesetzung der Teamleitung, da ich genau wusste, wer diese Lücke füllen konnte. Ich schlug eine Kollegin vor, die viele skeptisch sahen, weil sie durch ihre unzähligen Fragen oft als unsicher wahrgenommen wurde. Doch ich sah darin ihre größte Stärke: Sie fragte, um die Instabilität des Projekts zu durchdringen.
Gegen Widerstände setzte ich mich für sie ein. Nachdem sie die Teamleitung übernahm, stabilisierte sich die Lage spürbar. Der freie Fall des Projekts wurde gestoppt, weil sie genau die intellektuelle Beweglichkeit mitbrachte, die ich für dieses Onboarding vorgesehen hatte. Gemeinsam sicherten wir so die Break-Even-Strategie, die ohne dieses Umsteuern Jahre später erfolgt wäre.
Was ich daraus für meine Arbeit heute ziehe: Echte Befähigung bedeutet, zu erkennen, wann ein Team an die Grenzen seiner gewohnten Muster stößt. Transformation ist kein statischer Zustand, sondern ein Prozess des ständigen Hinterfragens. Heute unterstütze ich Unternehmen dabei, genau diese „Frage-Kompetenz“ zu fördern und Rollen so zu besetzen, dass sie der Komplexität der modernen Arbeitswelt gewachsen sind.
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