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Voll im (Ein)Fluss

  • estherkalunge
  • 26. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

Selbstwirksamkeit und Veränderung mit dem Circle of Influence


Worauf wir wirklich Einfluss haben und was uns lediglich betrifft, liegt oft Welten auseinander. Mit der Methode des Circle of Influence finden wir heraus, wofür wir unsere Energie sinnvoll einsetzen können.

Boah, die haben sich schon wieder nicht an die Anweisung gehalten!

Ausrufe dieser Art flogen in unserem Büro hundertfach durch die Luft. DIE sind zu doof, DIE kriegen es nicht hin. Klar. Die anderen sind Schuld. Das fühlt sich gut an, oder? Ich bin es nicht. Ich hab schließlich alles richtig gemacht. Was für eine Entlastung!


Aber ist das wirklich so?


Was so eine Haltung eigentlich bewirkt, ist nämlich das Gegenteil: Sie führt zur Handlungsunfähigkeit. Wenn immer die anderen Schuld sind, was kann ich dann eigentlich tun? Schließlich bin ich deren scheinbarer Unfähigkeit machtlos ausgeliefert.


In einem meiner Teams habe ich deshalb eine Kehrwende gemacht.

Ihr könnt die Arbeitsweise der anderen nicht ändern. Aber ihr könnt ändern, was ihr tut.

Denn auf die anderen haben wir keinen Einfluss. Auf uns selbst schon:


  1. Auf unsere eigenen Handlungen.

  2. Auf unsere eigenen Reaktionen.


Das Dilemma der Root Cause Analyse: Die Wurzel im fremden Garten

Erinnerst du dich an die Root Cause Analyse (RCA) aus der Vorwoche? Mal angenommen, du führst die zehnte Analyse zum gleichen Thema durch. Du hast sogar die wahre Wurzel gefunden, aber: Nichts ändert sich. Das gleiche Problem taucht immer wieder auf. Das frustriert natürlich! Du fragst dich, wofür du die RCA überhaupt immer wieder durchführst.


💡 Wenn die Wurzel des Problems nicht in deinem Einflussbereich liegt, kannst du noch so sehr graben, es wird dich nicht weiterbringen.

Fokus finden: Den Einflussbereich definieren


Das ist der Moment für unsere letzte Methode im Januar: Den Circle of Influence. Anstatt wertvolle Energie in Frust zu verwandeln, suchen wir die Hebel, die wirklich Wirkung erzielen. Dafür musst du dich erstmal entscheiden: Wie wichtig ist das Thema für dich und deinen Alltag? Lohnt es sich, weiterzumachen? Wenn nein:


  • Mitteilen & Loslassen: Informiere die Verantwortlichen transparent über das Risiko, erkläre die Ursachen klar und eindeutig – und ziehe dann deine Energie ab. Wer gegen Wände rennt, bekommt nur Kopfschmerzen.


Wenn ja:


  • Lobby-Gruppe gründen: Wenn die Wurzel strategisch wichtig ist, suche dir Verbündete. Gemeinsam ist die Stimme lauter. Gemeinsam könnt ihr den Circle of Influence durchführen, um herauszufinden, was ihr dennoch tun könnt.

  • Fokus auf die eigene Wirksamkeit: Wo ist unser Einflussbereich auf das System und welche Mittel stehen uns zur Verfügung, um diesen zu nutzen?


💭 Wenn wir uns bewusst machen, wo unser Einflussbereich (Circle of Influence) liegt, erlangen wir unsere Handlungsfähigkeit wieder. Damit treten wir aus der Ohnmachtshaltung aus und setzen unsere eigenen Hebel in Bewegung.

Circle of Influence: So funktioniert’s


So funktioniert die Methode in der Praxis: Zeichne drei unterschiedlich große Kreise ineinander und verteile deine Themen:


  • Circle of Control (Innen): Was kann ich / können wir als Team direkt tun – ohne Unterstützung von außen? (z.B. Wie ich eine Aufgabe formuliere).

  • Circle of Influence (Mitte): Was kann ich / können wir beeinflussen – mit Hilfe von außen, etwa durch Abstimmung im Team? (z.B. Gemeinsame Qualitätsstandards, Prozessdefinition).

  • Circle of Concern (Außen): Was beeinträchtigt mich bzw. uns, liegt aber komplett außerhalb meines / unseres Einflussbereichs? (z.B. das Verhalten anderer Abteilungen, Kundenbeauftragung oder die allgemeine Marktlage).

Praxisbeispiel: „Die halten sich nicht an die Anweisungen!“


Anstatt im Circle of Concern zu verharren, uns zu ärgern, dass "die anderen“ Anweisungen missachten und zu fordern, dass sie sich ändern, verschieben wir heute den Fokus:


  1. Circle of Control: Warum werden die Anweisungen nicht verstanden? Können wir das Format verbessern? Das bewirkt einen Perspektivwechsel. Ich sehe die Anweisungen aus dem Blickwinkel der anderen Abteilung und konzentriere mich auf das, was ich direkt umsetzen kann. Zum Beispiel: Klar strukturierte One-Pager, Checklisten, verlängerte Pufferzeiten, rechtzeitige QAs usw.

  2. Circle of Influence: Wir informieren die andere Abteilung über die durchgeführten Änderungen und fragen nach ihrem Feedback. Damit signalisieren wir: Wir haben unseren Anteil an der Problematik erkannt. Wir sehen eure Bedürfnisse. Das bricht den Kreis der Schuldzuweisungen und führt uns zurück zum Kern unserer gemeinsamen Arbeit. Schließlich haben wir alle das gleiche Ziel.


Infografik zur Circle of Influence Methode im Projekt- & Change Management. Darstellung von Selbstwirksamkeit durch drei Kreise mit dem Circle of Control (Me), dem Circle of Influence (My Team) und dem Circle of Concern (The World Beyond), dargestellt durch Elefanten, Zebra sowie Nashörnern.
Die Circle of Influence Methode in der Praxis: Von mir zur Umwelt. Erst, wenn ich weiß, worauf ich Einfluss habe, kann ich Veränderung bewirken.

Tipps für die Durchführung


  1. Abgrenzung: In der Praxis verschwimmen die Grenzen zwischen den Kreisen "Kontrolle", "Einfluss" und "Sorge" sehr leicht. Macht euch genau bewusst, was ihr wirklich ohne Unterstützung sofort umsetzen könnt, worauf ihr durch euer Verhalten, eure Kommunikation etc. Einfluss habt und welche Maßnahmen nur Zeitverschwendung wären.

  2. Umsetzung: Bei der Durchführung im Team entstehen oft viele Themen und Ideen. Denkt daran, aus den Erkenntnissen am Ende handfest Maßnahmen zu definieren. Nur so bricht der Circle of Influence den Teufelskreis.

Monats-Take-Away: Januar


Wie, das war’s schon?


Jupp. Gute Ergebnisse verlangen keine komplexen Prozesse. Deshalb der Januar-Methoden-Marathon: Kopfstände, Team-Kämpfe, Wurzel-Ziehen und Einflusskreise. Und was hat's gebracht?


"Zwischen den Zeilen" hat uns der Januar gelehrt:


  • Manchmal müssen wir auf dem Kopf stehen, um klar denken zu können

  • Im Team wird das Bewusstsein unserer Stärken und Schwächen zu echten Superkräften

  • Wurzeln ausgraben führt uns an die wahren Ursachen für das, was nicht funktioniert

  • Indem wir unseren Einflussbereich klar definieren, gewinnen wir Selbstwirksamkeit zurück


Daran sehen wir: Um Kunden zu überzeugen, Mehrwert zu schaffen, Menschen zu führen und Lernkulturen zu etablieren, braucht es manchmal nur kleine Stellschrauben. Dann sind wir keine Opfer der Umstände mehr, sondern gestalten unsere eigene Wirklichkeit. Der Abschluss heute hat noch einmal aufgezeigt:


Wenn wir den richtigen Hebel finden, können wir langfristig Veränderung bewirken. Das holt uns heraus aus punktueller Feuerlösch-Mentalität. Stattdessen beginnen wir, unsere Arbeitsumgebung nachhaltig positiv zu gestalten. Dadurch steigt am Ende:


  • Mitarbeitendenmotivation

  • Nutzendenzufriedenheit

  • Kundenorientierung

Februar-Check: Der Ausblick


Moment! Verkaufst du uns jetzt echt einfache Methoden als die Lösung für komplexe Probleme? Nein. Und ja. Methoden sind gut. Aber sie brauchen Substanz. Solange sie an der Oberfläche kratzen, sind sie wie seichte Wellen, die das Schiff nur schaukeln. Sie werden es niemals in Bewegung setzen. Dazu müssen wir für echten Wellengang sorgen. Im Februar tauchen wir deshalb in tiefere Schichten ab.


Genau dahin nämlich, wo der Januar erste Brüche geschaffen hat. Denn alles, was wir mit diesen Methoden bewirken, zahlt am Ende auf die Unternehmenskultur ein. Und woraus besteht Unternehmenskultur? Aus Geschichten.


Im Februar schauen wir uns deshalb an, wie Narrative Veränderungen blockieren und welche systemischen Ansätze es gibt, um diese Blockaden zu lösen. Dazu untersuchen wir Widerstands-Narrative und erfahren, wie wir diese in Wandlungs-Chancen umschreiben können.


Der Januar hat die Grundlagen gelegt und uns in Aufbruch-Stimmung gebracht. Im Februar geht es ans Eingemachte. Bist du bereit für den nächsten Schritt?

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